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Quelle: Ulf Leinweber
(Herausgeber) BAUKÄSTEN Technisches Spielzeug vom Biedermeier bis zur
Jahrtausendwende
Drei Lilien Edition
F. Ad. Richter & Cie. KG
1953 - 1956 VEB Ankerwerk
1957 - 1963 VEB (K) Anker-Steinbaukasten
Duisburg, 1868 - 1973
L-Luxemburg und NL-Nimwegen, 1873
Nürnberg, 1873 - 1877
Rudolstadt, 1877 - 1963
Das von dem aus Herford stammenden Friedrich Adolf Richter (1846 -
1910) als chemisch-pharmazeutische Firma gegründete Unternehmen produzierte
seit dem 15. März 1877 in Rudolstadt, mit Filialen in der Schweiz, in
Prag, Rotterdam, St. Petersburg, Wien (1888 - 1931, Erste Öst.-Ung.
Steinbaukastenfabrik) und New York, einer eigenen Glashütte im
Bayerischen Wald sowie einer Verlagsanstalt in Leipzig. 1910 übernahm
Richter die Rudolstädter Steinbaukastenfabrik Paul & Georg Keller.
Bekanntestes Erzeugnis waren die seit 1880 hergestellten und weltweit vertriebenen
Steinbaukästen, vor 1895 unter Bezeichnungen wie Das Bauen mit
wirklichen Steinen (mindestens 3 Größen) und einem roten
Eichhörnchen-Symbol, mit Beginn der 'Neuen Folge' 1895 unter dem Namen
Anker-Steinbaukasten und dem Anker-Logo. Aus dem gleichen Material
wurden seit Mai 1891 neben den Baukästen Tangrams (Denk- und Geduldspiele)
gefertigt. Daneben umfasste die Produktion der Firma Richter noch Mosaik-
und Mah-Jongg-Spiele, pharmazeutische Geheimmittel, Kosmetika, Schokoladen,
Liköre, Lebkuchen, Schallplatten, mechanische Musikinstrumente und Reklamesammelbilder.
Für die Steinbaukästen entwickelte Richter ein System, innerhalb
dessen sich die Baumöglichkeiten durch den Zukauf von Ergänzungskästen
oder größerer Grundkästen (der größte, Größe
34 "Lyck", um 1920, enthält 3.861 Steine und ist mehrere Zentner
schwer!) schrittweise erweitern ließen. Ab 1895 kam noch ein Brückenbaukasten
mit vernickelten und später farbigen Eisenteilen hinzu, 1901 ein Brückenergänzungskasten,
ab 1912 zusätzlich der Anker-Landhaus-Baukasten (mit neuen
Steinformen) und die Reihe Amerikanische Landhäuser und
1915 - 1918 Festungsbaukästen mit feldgrauen Steinen. Im
kleinkalibrigen Format erschienen der Orion (seit 1906 in 9
Größen; um 1920 auch im großkalibrigen Format) und in enger
Verwandschaft mit ihm Der Comet-Steinbaukasten (seit 1901, mindestens
5 Kästen mit vernickelten Eisenteilen) sowie der Adler
(um 1905/10, mindestens 3 Größen), alle oft ohne Herstellerhinweis.
Die Kästen wurden besonders häufig in die USA verkauft (der Adler
als Richter's Popular Eagle Blocks), aber auch unter wechselnden
Bezeichnungen nach Osteuropa (Orlov, Turil oder
SAS für den Adler).
Seit 1906 trugen die Baukästen Städtenamen. 1913 wurde das Sortiment
durch die Herausgabe einer Metallbaukastenreihe Imperator ("Der
kleine Anker-Ingenieur") erweitert (3 Größen, mit Klemmspangen,
ohne Schrauben, Fertigung bis um 1926). 1916 erschienen der Künstler-Modell-Baukasten
Liebe Heimat, vor 1923 aus der gleichen Reihe das Bürgerheim,
Anfang der 1920er Jahre der Miniatur-Steinbaukasten Heinzelmännchen
(gedacht als Reisespielzeug).
1922 bot die Firma zudem auch Anker-Universal-Holzbaukästen
an: Baby, Jugendfreunde und Richters Dörffel-Holzbaukasten.
Als die Firma Matador Plagiatsprozesse
gegen Richter gewann, stellte dieser die Produktion der Holzbaukästen
ein. 1923 (bis vor 1930) erschien dann Richters Anker-Metall-Baukasten.
1924 kam die "Neue Reihe" für Industriebauten heraus. Anfang
der 1930er Jahre waren dann wieder vermehrt Burgen- und Festungsbaukästen
im Programm. Nach dem 2. Weltkrieg stellte man 1947 - 1959 zur Verbesserung
der Statik Steine mit symmetrischen Noppen- uund Passlochreihen her. 1957
wurde Der kleine Gernegroß ais Neuauflage des Heinzelmännchen
gefertigt. In den 1950er Jahren kam ferner ein Tunnel und Portal-Baukasten
heraus, 1955 dann ein Anker-Modell-Steinbaukasten für die Eisenbahn-Spur
00. Außerdem wurden in den 1950er Jahren
wieder Anker-Universal-Holzbaukästen
hergestellt. Seit 1994 originalgetreue Neuauflage einzelner Kästen,
ab 1995 herausgegeben durch Modellbausteinspiele
GmbH. Auch die Noppensteine werden seit 1995 in Taucha wieder hergestellt
Spielwaren GmbH & Co.
Literatur
DSA 1941, S. 57 u. 92; DSZ 1909ff.; MCS 2 u. 5 (Slg. Frank A. Beadle, A. B.
Ibanez);CHEMNITZ 1998, S. 26ff., 99f., 104, 106, 108 u. 111; HAHN 1986; HAHN
1996, KEVELAER 1996, S. 9, 12 - 16 u. 18f.; MENZEL o.J., S. 7; NOSCHKA/KNERR
1986, S. 19 - 23, 50 - 61 (mit irrigen Angaben zum "Imperator")
u. 146; PARZER/BELMONTE (1995), S. 93 - 97; PARZER/BELMONTE 1998; RIEHEN 1988,
S. 11 - 15; RUDOLSTADT 1993; SP 1/1991, S. 29 - 32; WUNDERLIN/GRIEBEL, 1993,
S. 21 - 26; SCHWARZ/HENZE/FABER 1995, S. 49f.; ZWIJENBERG 1982, frdl. Mitteilungen
v. Ehepaar Renate und Dr. Otto Hahn, Kranichfeld, Frau Bähring, Stadtarchiv
Rudolstadt, sowie Herrn Rudolf Göttlicher, Wien.
Abkürzungen Literatur:
- DSA Deutsches Spielwaren-Adreßbuch (West-Deutschland und West-Berlin).
3. Ausgabe, Berlin 1935, und 6. Ausgabe, Bamberg 1950
- DSZ Deutsche Spielwaren-Zeitung.Jg. 1-34, H.4, Nürnberg/Berlin/Bamberg
1909-43
- MCS Frank Beadle (Ed.): Metal Constructional Systems. Parts I - V, Darlington
1989-90
- CHEMNITZ 1998 legen, stecken, schrauben - spielend bauen.
Begleitschrift zur Ausstellung des Industriemuseums Chemnitz gemeinsam mit
dem Deutschen Spielemuseum e. V. vom 15. November 1998 bis zum 31. Januar
1999. Herausgegeben von Jörg Feldkamp. Chemnitz 1999
- HAHN 1986 Hahn, Renate u. Dr. Otto: Spielzeug der Firma F. Ad.
Richter & Cie. aus Rudolstadt. Sonderdruck aus den Rudolstädter
Heimatheften 1986.
- HAHN 1996 Otto Hahn Reklame - Reklame - Reklame. F. Ad. Richter
in Rudolstadt - Ein deutsches Unternehmen, seine Produkte und die Werbung
1870 bis 1935. Rudolstadt 1996
- KEVELAER 1990 Spielen - Lernen - Erfinden. Historische Baukästen
aus 100 Jahren. Sammlung G. Griebel. Sonderaustellung vom 13. Mai bis 1.
Juli 1990 (=Führer des Niederrheinischen Museums für Volkskunde
und Kulturgeschichte Kevelaer, 30). Goch 1990
- MENZEL o.J. Julius Menzel: Spielzeug - von seinem Sinn und Wert!
Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft zur Fördeung deutschen Spielzeugs.
Berlin o.J.
- NOSCHKA/KNERR 1986 Annette Noschka / Günter Knerr: Bauklötze
staunen. Zweihundert Jahre Geschichte der Baukästen. München 1986
- PARZER-BELMONTE 1995 Kuer Parzer-Belmonte: Ewige Kinder. Spielwaren
aus Wien und östereichischen Landen. (Wien, um 1995)
- RIEHEN 1988 Spielzeug- und Dorfmuseum Riehen (Hrsg.): Bauspiele
aus zwei Jahrhunderten."Jeder bau nach seinem Sinn, aber Regel sei
darin." Begleitpublikation zur Sonderausstellung des Schweizerischen
Museums für Volkskunde 11. Juni 1988 bis 29. Januar
- Rudolstadt 1993 Stadtverwaltung Rudolstadt in Zusammenarbeit mit
dem Förderverein "Spielhaus Richtersche Villa Rudolstadt e. V."
(Hrsg.): F. Ad. Richter & Cie. Zur Geschichte und Produktion des Ankerwerkes
in Rudolstadt.[Katalog zum Tag des offenen Denkmals 1993]. Rudolstadt 1993
- WUNDERLIN/GRIEBEL 1993 Dominik Wunderlin u. Jürgen Griebel: Spielen,
lernen und erfinden. Alte und neue Baukästen seit über 100 Jahren.
Begleitheft zur Sonderausstellung im Historischen Museum Luzern 12. Februar
bis 31. Mai 1993. Red.: Josef Brüslisauer. Luzern 1993
- SCHWARZ/HENZE/FABER 1995 Helmut Schwarz / Ansgar Henze / Marion
Faber: Eisenzeit. Die Geschichte des Metallbaukastens (= Schriften des Spielzeugmuseums
Nürnberg, Band I). Nürnberg 1995
- ZWIJENBERG 1982 Zwijnenberg, Peter A..: De Geschiedenis van Richter's
Anker Steenbouwdozen. Alphen a/d Rijn 1982
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