aktualisiert:
05.06.2009 19:52
Trommelpolieren
Das Verfahren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom böhmischen Holz- und Spielwarenhersteller
Johann Schowanek für
die Herstellung von Holzperlen für das böhmische Bijouterie-Gewerbe entwickelt
oder doch angepasst. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1927 stellte er erstmalig
mit dieser Technologie bearbeitetes Spielzeug aus (siehe u. a. den 'Perlmännchen'-Kasten
in meiner Ausstellung) und erregte damit bei den großen Blumenauer Baukastenherstellern
große Aufmerksamkeit
.
In mehrjähriger Entwicklungsarbeit, die aber wahrscheinlich schon vor 1927
begonnen hatte, wurde bei L. Engel und E. Reuter in Blumenau parallel adäquate
Verfahren entwickelt. Dabei wurden verschiedene Patente beantragt und erteilt. 1932
wurden von E. Reuter
und wenig später von
L. Engel die ersten Baukästen mit trommelpolierten
Bausteinen auf den Markt geworfen. Die Firmen waren damit nahezu konkurrenzlos auf
dem Weltmarkt und erzielten sehr gute Umsätze.
Trommelpoliertes Holz hat eine feine, seidige Oberfläche, die aber sehr schön
griffig ist. Die Kanten bei Bausteinen werden durch das Verfahren selbst abgerundet.
Sowohl die Farbe als auch der zum Schlussaufgebrachte Zaponlack dringen tiefer als
bei herkömmlichen Verfahren in das Holz ein und machen den Baustein wasser-
und stoßfest. Dadurch sind trommelpolierte Bauelemente wesentlich farbintensiver
und vor allem haltbarer als herkömmliche. Lackabplatzungen können prinzipiell
nicht auftreten.
Wie der Name bereits sagt, erfolgt das Verfahren selbst in Trommeln. Sie sind meist
sechs- oder achteckig und wurden früher aus Holz hergestellt. Für ein
optimales Ergebnis müssen sie in den verschiedenen Arbeitsgängen in einem
bestimmten Winkel schräg gestellt werden.
In einem ersten Arbeitsgang werden die fertig zugeschnittenen, gefrästen oder
gedrehten Teile gewaschen und dabei beschliffen. Dazu kommen Bimssteine in die Trommeln,
die das eigentliche Schleifen und Polieren bewerkstelligen. Bimsstein ist relativ
leicht und beschädigt das Holz deshalb nicht. Bimsstein wurde von den Blumenauer
Baukastenfirmen vor dem Krieg aus Italien importiert.
Nach dem Trocknen erfolgt im nächsten Arbeitsgang das Färben durch Tauchen
in farbige Beizen. Nach dem erneuten Trocknen kommen die Bausteine in die Lackiertrommel,
immer eine Farb-Charge in eine Trommel. Das ist der technologisch anspruchsvollste
Verfahrensschritt. Optimale Ergebnisse erreicht man bei einem Lackauftrag in mehreren
Arbeitsschritten. Zuerst wird dabei ein Porenfüller eingespritzt, danach Lacke
mit genau eingestellter Viskosität. In der Trommel befinden sich zusätzlich
Stoffkugeln, die die Verteilung des Lackes verbessern und das Verkleben der Teile
untereinander verringern.
Die Anwendung der Technologie
für einfache Holzklötzchen-Baukästen, wie sie in großem Umfang
von der Engel-Baukastenfabrik
und ihrem Nachfolger VEB Baukastenfabrik Blumenau hergestellt wurden, ist allerdings
vom Spielwert her eher umstritten: Die Bausteine gleiten zu stark aufeinander, so
dass sich kaum größere Gebilde damit errichten
lassen oder sie dann doch bei der geringsten Berührung wieder einstürzen.
Sehr gut eignen sie sich wegen der hohen Formbeständigkeit für gesteckte
Baukästen, wie etwa die grandiosen Autobaukästen
von Schowanek.
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