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Wiederherstellung
aktualisiert: 13.04.2005

Reparatur kaschierter Kartons
am Beispiel der Märklin-Metallbaukasten-Kartons

Schritt 1: Wasser marsch!
Schritt 2: Trockenpressen
Schritt 3: Pappteile ergänzen
Schritt 4: Innenkaschierung anbringen und ausbessern
Schritt 5: Kartons und Einsätze klammern
Schritt 6: Märklin-Außenkartons aufbauen
Schritt 7: 'Kroko'- und Innenkaschierung aufbringen
Schritt 8: Einsetzen von Metallkrallen
Schritt 9: Deckel fertigstellen
Schritt 10: Einbauten fertigstellen und einbauen

Schritt Z1: Rote Farbe herstellen

Vorm Beginn
Wer einen zerrissenen, unvollständigen und abgeschabten Karton wiederherstellen möchte, sollte sich vorher im Klaren darüber sein, was er erreichen möchte. Soll alles nagelneu wie einst auf dem Ladentisch aussehen, soll der Karton nur wieder vollständig aussehen die abgeschabten Stellen aber erhalten bleiben oder soll irgendeine Stufe dazwischen erreicht werden? Davon hängt letztendlich ab, welches Material man benötigt und wo man anfangen sollte, wobei ich hier NUR über die Verwendung von Originalmaterial rede.
Wenn das Resultat besonders 'edel' sein soll, sollte man vielleicht mit dem ersten Karton noch etwas warten und zuerst nach weiteren (Leer-)Kartons Ausschau halten, die man 'ausschlachten' kann.
Ich habe es mir im Laufe der Zeit abgewöhnt, alles ganz 'unbespielt' erscheinen lassen zu wollen. Gerade im Märklin-Baukasten kann man ruhig sehen, wo die runden Platten gelegen haben, und wie es unter den Räderstreifen aussieht, ist mir mittlerweile auch egal. Auf jeden Fall sollte der Karton zum 'Bespieltheitsgrad' der eigentlichen Teile passen.

Woher kommt das Material?
Einen nicht zu sehr verschlissenen Karton kann man ohne zusätzliches Material wieder herrichten, indem man bis dato 'nicht verwendetes Papier' benutzt. Das ist auch das eigentliche Prinzip: Material braucht man nur dort, wo man es sieht! Alle anderen Flächen bleiben unbeklebt.
Für die schwarze 'Krokodilleder-Kaschierung' gibt es dazu bei Kästen nach ca. 1919 (rotes Innenleben) nur ein größeres Reservoir: den Bereich unter dem Deckelbild. Bei den früheren Meccano-Märklin und Meccano-Kästen gibts leider nicht mal das: Auf den Deckel sind unter dem Bild ringsherum nur vier schmale Streifen geklebt. Dieses Papier der ganz frühen Kästen hat übrigens auch eine Völlig andere Struktur als das spätere Kroko-Papier.
Kleinere Stücke kann man entlang des inneren Kastenrandes hinter den eingeklebten Einsätzen gewinnen. Bei anderen Kartons als den Märklinkartons sollte man genau hinschauen, ob das Deckelbild unterklebt ist. Wenn man damit gerechnet hat, und es fehlt plötzlich, kommt man in der Regel in arge Papiernot.
Bei der roten/grünen Kaschierung gibt es viele Stellen zur 'Papiergewinnung', wenn auch die meisten nicht besonders ergiebig sind. Die größten Stücken befinden sich natürgemäß unter den eingeklebten Einsätzen. Dann gibt es aber auch noch viele Stellen, wo Einsätze dicht an dicht nebeneinander oder am Kastenrand stehen und folglich unberührtes Papier dahinter bzw. dazwischen ist.
Wenn Kartonteile fehlen, was oft bei den Deckelrändern der Fall
ist, braucht man logischerweise anderes Material. Ob man dazu nur gleiches Material aus der gleichen Zeit oder 'Fremdmaterial' von heute verwendet, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich habe mittlerweile genügend originale Reste, weiß aber letztendlich auch nicht, ob der Karton von 1927 oder 1937 war. Wenn der Karton sichtbar bleibt, wie bei den kleinen Kleinteileschachteln, sollte man unbedingt Originalmaterial verwenden.
Oft fehlen auch kleinere 'Accessoires': die runden Kastennummern-Aufkleber auf dem Deckelbild oder den Kleinteile-Schächtelchen. Je nach Wiederherstellungsphilosophie heißt es dann: Vorhandene oder geborgte kopieren (lassen) oder auf eine Gelegenheit warten. Man kann auch erst einmal eine Kopie aufkleben und sie später, wenn man ein Original bekommen hat, einfach wieder ablösen, ohne großen Schaden anzurichten.
Da die Original-Drahtklammern selten wieder verwendet werden können, muss man entsprechenden Ersatz parat haben. Ich verwende die Heftklammern 24/6 für den 'Klammeraffen'.

Schritt 1: Wasser marsch!
Das hier gezeigte Verfahren ist für Kartons geeignet, die mit wasserlöslichem Klebern geklebt und mit Papieren beklebt sind, die mit wasserunlöslichen bzw. wenig wasserlöslichen Farben bedruckt sind. Das ist für die schwarz-grünen Meccano-(Märklin)- und die schwarz-roten Märklin-Kasten der Fall. Auch für die meisten anderen Kartons, die vor dem 2. Weltkrieg hergestellt wurden, trifft das zu. Bei Kästen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit halten manchmal die Farben nicht. Noch unangenehmer ist es, wenn sich die Kaschierung nicht oder gar nur stellenweise lösen läßt. Bei den grün-gelben Märklin-Nachkriegskästen ist meist die gelbe Kaschierung durch den Herstellungsprozess fest mit der Pappe verbunden und kann nicht oder nur nach stundenlangem Einweichen gelöst werden..
Man sollte also an einer unauffälligen Stelle immer zuerst einmal prüfen, ob der eingesetzte Kleber wasserlöslich ist.
Bevor der gesamte Karton in lauwarmes Wasser kommt, kann man bei Kartonecken, die auf der Kaschierung geklammert sind, die Klammern entfernen (trifft z. B. bei den Kleinteileschachteln zu). Dazu kann man die Klammern von innen aufbiegen oder die Stäbe an den Ecken mit einem Seitenschneider zerschneiden. Auch die 3 oder 4 Blechecken im Deckel, mit denen bis etwa 1926 das Anleitungsbuch gehalten wurde, sollten vor dem Bad entfernt werden. Dazu fasst man das hochgebogene Blech mit einer Rundzange und dreht das Blech ein, so dass die erste der 3 Krallen herausspringt. Die restlichen zwei lassen sich dann leicht herausziehen. Die in den Löchern befindlichen Pappausstanzungen nebst Kaschierpapier müssen aufgehoben und später wieder eingesetzt werden!
Bevor nun der Karton in seine Einzelteile zerlegt wird, sollte man sich eine Skizze mit der Lage der Einsätze oder ein Foto machen, um beim späteren Wiedereinbau allzu langes Puzzlen zu vermeiden.

Dann heißt es: Wasser marsch! Der gesamte Karton wird in einem Waschbecken oder in der Badewanne unter (lauwarmes) Wasser gesetzt. Bei den rot/schwarzen Märklinkartons färbt sich das Wasser schnell schwarz-rot, ein kleiner Farbverlust, den man in Kauf nehmen muss.


Bild 1.1
Märklin-Kartons sind mit 2 verschiedenen Leimsorten geklebt: einem leichtlöslichen dünnen Klebstoff (wahrscheinlich Zellulosebasis), der sich mit braunem Farbton löst, für die Kaschierung und einen dickeren braunen oder auch farblosen Leim, der sich schwerer löst und mit dem die Einsätze eingeklebt sind. Manchmal gelingt es nicht, die Einsätze von der Bodenkaschierung zu lösen ohne das Papier oder aber Teile der Farbschicht mit abzureißen. Man sollte solche Teile lieber etwas länger weichen lassen, was nun aber wieder die Reißfestigkeit des Papiers verringert. Deshalb sollte man nicht allzu viel Hoffnung daran setzen, die Innenkaschierung eines größren Kastens unbeschädigt herauslösen zu können. Eher ist mit einem Ergebnis wie in Bild 1.2. zu rechnen.
Von den Böden der Einsätze schabt man das Gröbste der Leimreste ab, beim Kaschierpapier muss man hier sorgfältiger vorgehen, wenn man es weiter verwenden will.
Es wird unter Wasser vorsichtig mit einem nicht zu scharfen Gegenstand entfernt. Zwischendurch immer mal wieder mit den Fingern leicht reiben.
Gelegentlich ist die Kaschierung einzelner Teile mit der 'festeren' Leimsorte angeklebt worden. Solches Papier wiederverwenbar abzulösen, ist schwierig und braucht lange Weichzeiten. Bei mehr als 1 bis 2 Einbauten pro Kasten ist mir das aber noch nie passiert.
Nachdem sich sich die Kaschierung gelöst hat, legt man sie 30 min. zum Trocknen auf Zeitungspapier, danach nochmals auf eine neue Lage, um Ankleben durch Leimreste zu verhindern.
Bei den großen Kästen über Nr. 4 sind die Ränder der Unterteile durch ein zusätzlich angeklebte Lage Pappe verstärkt. Diese Lage muss ebenfalls abgeweicht werden, ggf. kann man mit einem Messer etwas nachhelfen.

Jetzt muss noch die Innenkaschierung der Pappeinsätze gelöst werden, die i.d.R. noch durch die Heftklammern in den Ecken festgehalten wird. Die Klammern lassen sich allerdings kaum öffnen, ohne das Papier zu beschädigen.

Bild 1.2
Deshalb schiebt man besser ein Messer unter das gelöste Kaschierpapier und trennt es direkt an der Klammer. Der Bereich muss dann später überklebt werden - original ist er das sowieso. Wenn man die Klammern nicht wiederverwenden will, sollte man sie vorher an den Ecken mit dem Seitenschneider durchtrennen. Bei guten Pappqualitäten kann man die Klammern auch herausbekommen, ohne die Pappe allzu sehr zu beschädigen. Auf der sicheren Seite ist man aber, wenn man die durchschnittenen Klammern in der Pappe belässt und erst nach dem Trocknen entfernt.
Die Pappen der frühen Kästen wie des hier gezeigten sind sehr anfällig gegen Abreißen an den geritzten Biegekanten. Da reicht gelegentlich schon das Gewicht der vollgesogenen Laschen, um sie vom Hauptteil zu trennen. Bisher habe ich kein Mittel gefunden, um das zu verhindern. Die Teile müsen dann später wieder angeleimt werden.
Die aufklappbaren Deckel der früheren Kästen sind nur oder auch zusätzlich mit U-förmigen Stahlklammern an den Unterteilen befestigt. Man sieht sie erst nachdem die Kaschierung entfernt ist. Bei den kleinen Kästen stecken sie in den Holzleisten, die das Kartonunterteil umranden und lassen sich recht einfach mit einem Schraubenzieher herausheben. Bei den großen Kästen, die im Unterteil keine Holzeinlagen haben, sind die Klammern innen auf der Kaschierung umgebogen (siehe Bild 1.3). Man sollte diese Klammern im noch trockenem Zustand des Kartons bereits aufbiegen! Wenn der Deckel nicht zusätzlich geleimt ist (i. d, R. ist er das aber!), kann man ihn dann auch schon vorsichtig durch Unterschieben eines Messers o. ä. lösen.
Die Holzleisten in den kleinen Kästen bzw. in den Einsätzen der großen sind untereinander nicht verbunden sondern nur an den Papprändern angeklebt, bei frühen Kästen mit den gleichen Klammern, wie sie auch für die Deckel verwendet wurden angeklammert (3..5 bei kleinen Kästen auf jeder Seite).

Bild 1.3

Schritt 2: Trockenpressen
Würde man die nassen Pappen an der Luft trocknen, würden sie sich verziehen, da sie an den Rändern wesentlich schneller trocknen als in der Mitte.
Deshalb müssen die Pappteile trockengepresst werden. Als Trocknungsmedium verwende ich dazu Zeitungspapier, als Presse für kleinere Pappen eine Spindeldruckpresse, für grössere Pappen werden Pappen und Zeitungspapier einfach zwischen ausreichend großen Möbelspanplatten gelegt und beschwert, was natürlich auch für kleinere Teile geht. Für eine Platte von ca. 40 cm x 60 cm reichen ca. 20 kg Gewicht als Beschwerung vollkommen aus. Man kann natürlich mehrere Platten mit Trocknungschichten übereinander legen.
Um die Pappe so zu trocknen, ist Geduld angesagt! Unter etwa 30 h und 5 bis 8 Papierwechsel ist keine Pappe wirklich trocken zu bekommen! Für die dicken, etwa 3 mm starken Pappen der großen Kasten muss man mit 3 bis 4 Tagen rechnen.
Jeweils 4 bis 8 Zeitungspapierlagen werden dabei unter und über die zu trocknenden Pappen gelegt. Das Zeitungspapier wirft während der mittleren Trocknungsgänge schnell kleine Wellen. Bei weichen Pappen drücken sich diese schnell in die Pappe ein und sind dann kaum wieder wegzubekommen. Man sollte dann das Papier in kürzeren Abständen wechseln. Wegen dieser Wellen ist es auch nicht angebracht, das wieder getrocknete Papier nochmals zu verwenden.

Bild 2.1
Den ersten Papierwechsel kann man bereits nach 30 min. vornehmen, dann werden die Wechselintervalle immer länger.


Bild 2.2
Man darf die Trocknung erst beenden, wenn sich das Material wirklich trocken anfühlt. Noch nicht ganz trockene Pappen wölben sich innerhalb weniger Minuten bis Stunden. Man kann dann versuchen, durch weiteres Pressen, möglichst mit leicht feuchtem Papier, die Teile wieder glatt zubekommen. Da es sich hier um einen kritischen Prozessschritt handelt, sollte die Devise sein, lieber etwas zu lange als zu kurz zu trocknen

Die Holzleisten bedürfen keiner Sonderbehandlung und werden an der Luft getrocknet.

Bild 2.3

Schritt 3: Pappteile ergänzen

Gerade an Deckeln fehlen oft Teile der Laschen ganz oder vollständig oder sind abgerissen. Solange größere Laschenteile noch fest mit dem eigentlichen Kartonkörper verbunden sind, erhalte ich sie und 'flansche' neuen Karton an. Bedingung: der vorhandene Karton muss die gleiche Stärke haben. Im Laufe der Jahre wurden bei Märklin-Kartons so viele unterschiedliche Kartonarten verwendet, dass ein gerade vorhandenes Stück nicht unbedingt so dick ist, wie das gerade benötigte.
Als Kleber verwende ich für diese Kartonarbeiten Holzkaltleim auf Latexbasis (Weißleim). Das ist unter 'Restaurierungsgesichtspunkten' sicher nicht die günstigste Lösung, von der Handhabung her aber ziemlich ideal.
Zuerst wird das vorhandene Material mit dem Cutter-Messer gerade abgeschnitten, bei größeren Teilen wie Deckelrändern natürlich auch rechtwinklig (Bild 3.1, rechtes Teil).

Bild 3.1
Die Ersatzstücke werden etwas größer geschnitten als nötig und dann stumpf angeleimt. Unter die Klebestelle wird dabei ein größeres Stück Zeitungspapier gelegt. Wenn, wie bei dem in den Bildern gezeigten Kartondeckel, die Kartonoberfläche im Innern nach der Kaschierung sichtbar bleibt, muss dieses Zeitungspapier natürlich außen untergelegt werden. Bei fast allen Märklin-Kartons kann man das auch von innen machen. Das hat den Vorteil, dass man dabei auch gleich einen Papierstreifen auf die künftige Biegekante des (Deckel-) Randes mit aufkleben kann. Dazu wird genauso verfahren, wie oben schon beschrieben.

Bild 3.2
Nach dem Trocknen der Klebestellen wird das überstehende Zeitungspapier vorsichtig ringsherum abgerissen. Dieses Verfahren ergibt sanfte übergänge, so dass sich später keine Papierkanten durch die Kaschierung hindurchdrücken. Noch überstehende Kanten der neuen Kartonteile werden mit dem Cutter-Messer bündig zum vorhandenem Material geschnitten (vgl. Bild 3.1 und 3.3).
Bei innen sichtbarem Karton wird nach dem 'Anflanschen' und Bündigschneiden des neuen Randstücks von außen ein ca. 1,5 cm breiter eingeleimter Papierstreifen aufgelegt, angepresst und der Rand dann sofort umgebogen. Die Teile werden fixiert bis der Kleber getrocknet ist. Der Kleber ist beim Biegen in die Fuge der Biegekante gepresst worden. Deshalb kann man den aufgeklebten Papierstreifen, der auch öfters wellig wird, nach dem Trocknen getrost mit Sandpapier wieder abschleifen (Reste im Bild 3.2 ganz rechts an der Kante).

Bild 3.3
Nun sind auch Pappausstanzungen der Deckelkrallen (siehe Schritt 1) wieder einzukleben.

Schritt 4: Innenkaschierung anbringen und ausbessern
Bei Kartondeckel und Einbauten kann nun die Innenkaschierung wieder aufgeklebt werden. Für die äußeren Märklin-Kartons geht es mit Schritt 6 weiter.
Für alle Kaschierungsarbeiten verwende ich Tapetenleim, der etwas dicker als bei wirklichen Tapezierarbeiten angerührt wird. Wegen der hohen Saugfähigkeit der Pappe muss sowohl das Kaschierpapier als auch die Pappe eingeleimt werden. Längere Einweichzeiten sind nicht erforderlich, da das Kaschierpapier doch recht dünn ist.

Bild 4.1
Zunächst wird das originale Kaschierpapier an ausgerissenen Stellen gerade geschnitten, wenn zu befürchten ist, dass die Ausrisse im Ergebnis eher sichtbar sind als eine gerade Kante. An den dann nicht bedeckten Stellen des Kartons werden entsprechende Stücke untergeklebt, deren Ränder gerissen werden sollten, damit sie sich weniger durchdrücken. Danach wird die zugeschnittene Kaschierung übergeklebt (Bilder 4.1. und 4.2).

Bild 4.2
Wenn das Originalmaterial nicht mehr verwendbar ist, ist logischerweise ein entsprechendes Ersatzstück zuzuschneiden und aufzukleben. In beiden Fällen sind nach dem Trocknen noch überstehende Teile wie im Bild 4.2 abzuschneiden. Wenn frisch kaschierte Pappen kurz vor dem Trocknen immer noch stärker gewölbt sind, sollte man sie wiederum zwischen Zeitungspapier pressen.
Nach dem Trocknen von Pappen mit roter Kaschierung kann man nun noch eventuell vorhandene abgeriebene und stumpfe Stellen der Kaschierung ausbessern. Für Farbfehlstellen verwende ich eine Farbe, die ich aus Papierresten selbst herstelle (siehe Schritt Z1). Nach verschiedenen Versuchen hat sich dabei die einfachste Methode als die beste herausgestellt: Die Farbe mit einem kleinen Pinsel auf die Fehlstelle aufbringen und nach einigen Sekunden mit saugfähigem Papier wieder abwischen. Das gibt keine Ränder oder dunklere Stellen ringsherum - allerdings bleibt die Fehlstelle doch heller als das Original. Man kann das Ergebnis noch etwas verbessern, wenn man das Papier VOR dem Aufkleben an den Fehlstellen zusätzlich von hinten einfärbt.
An manchen Stellen - an solchen, die nachgefärbt wurden natürlich besonders - ist das Papier nicht mehr glänzend. Solche Stellen kann man mit Kerzen-Stearin auf einem Läppchen einreiben. Mit weichem Papier oder Stoff wird dann nachpoliert, womit man das Papier (in Grenzen) wieder zum Glänzen bringen kann.

Schritt 5: Kartons und Einsätze klammern
Nun können die Kartons, Deckel oder Einsätze wieder zu dreidimensionalen Gebilden zusammengefügt werden. Dazu sind zunächst die Löcher für die Klammern in den Randstreifen mit einer Schusterahle o. ä. nach- bzw. neu einzustechen.

Bild 5.1
Ob man die Originalklammern oder 'neuzeitliches' Material verwendet, muss jeder für sich entscheiden. Allerdings sollte man wissen, dass der Original-Märklin-Klammerdraht, zumal wenn verrostet, sehr spröde ist und folglich durch das erforderliche Auf- und Zubiegen viele Klammern brechen werden. Ich verwende deshalb i. d. R. bei Märklin-Kästen neue Klammern wie sie in Heftgeräten ('Klammeraffen') verwendet werden ( Größe 24/6). Sie werden wie im Bild 5.1 gezeigt 'im Block' mit einer Flachzange vorgebogen. Beim Einbau lässt sich das Material leicht den Lochungen gemäß nachbiegen.
Bei Kartons wie den Kleinteileschachteln, bei denen die Klammern auf der Kaschierung angebracht werden, sollte man Original-Klammern verwenden.

Bild 5.2
Bild 5.2 zeigt einen fertig geklammerten Deckel. Bei diesen Klappdeckeln wird der frei stehende Deckelrand durch eine zusätzliche Klammer 'stabilisiert' (re. u. im Bild zu sehen).

Schritt 6: Märklin-Außenkartons aufbauen

Bild 6.1
Die äußeren Kartons mit Holzeinsatz und die oberen Einsätze der größeren Kästen mit schwarzer Außenkaschierung werden ohne vorherige Innenkaschierung (Schritt 4) weiterbearbeitet, d. h. geklammert (Schritt 5). Die Außenkartons ab Nr. 3 kann man vor dem Klammern kaschieren oder aber auch sinngemäß wie jetzt beschrieben verfahren.
Als nächstes werden die Holzleisten wieder eingeleimt bzw. geklammert - oder auch beides. Vorher sollte man diese Leisten mit Sandpapier glätten, insbesondere die 'ausgefransten' Enden. Die Leisten werden punktuell eingeleimt und - bündig mit den Kartonoberkanten - fixiert, indem von außen Leisten gegengepresst werden (Bild 6.1). Die Leisten sind meist nicht so breit wie die Kartonlaschen - deshalb nicht auf den Boden aufsetzen - die Kartonkanten stehen sonst über! öfters sind Leisten verbogen, da minderwertiges Holz mit ästen verarbeitet wurde. Solche Leisten sollte man tunlichst gegen gerade, neu oder aus anderen Kästen gewonnen, austauschen.
Bei den frühen Kästen sind die Holzleisten nur mit 3 bis 5 Stahlklammern je Seite geklammert. Man kann natürlich auch diesen Zustand wiederherstellen. Die Stahlklammern werden dazu wieder korrekt nachgebogen und ggf. - z. B. mit einer rotierenden Stahlbürste - vom Rost befreit. Die Klammern werden nicht eingeschlagen sondern eingedrückt. Am einfachsten geht das im Schraubstock. Die Klammer wird dazu in die alten Schlitze des Kartons eingesteckt, der Karton mit Leiste 'kopfüber' zwischen die Schraubstockbacken gelegt und dann vorsichtig eingedrückt (Ergebnis im Bild 6.2).

Bild 6.2

Schritt 7: 'Kroko'- und Innenkaschierung aufbringen
...bzw. umgekehrt. Denn bei den Außenkästen, die nur aus dicker Pappe bestehen, wird zuerst die Innenkaschierung aufgebracht, dann die schwarze 'Kroko'-Kaschierung darübergeklebt (vgl. Bild 10.3). Ich zeige hier beispielhaft das Vorgehen bei den kleinen Kästen bzw. den Einsätzen für die großen.
Dazu werden nun die 'Einbauten' eingesetzt und im Karton gekennzeichnet, wo Kaschierung aufgeklebt werden muss (Bild 7.1). Für den üblichen Fall, dass das vorhandene Papier nicht mehr geeignet ist, vom Außenboden in einem Zug bis in den Innenboden geklebt zu werden, wird folgendermaßen vorgegangen:

Bild 7.1


Bild 7.3
  1. Einkleben der Innenkaschierung an den Holzleisten bis auf die Bodenpappe wie im Bild 7.2, Bildmitte (allerdings an der richtigen Stelle, also rechts und links von der im Foto beklebten Stelle)
  2. Aufkleben der Kaschierung der Oberkanten
  3. Aufkleben der Kaschierung der unteren Kanten (Bild 7.3). Wenn es sicht nicht um Märklin-Einsätze handelt, bei denen auf den Boden noch eine Papierlage aufgeklebt wird, muss die Kante auf dem Boden geradegeschnitten werden.
  4. Aufkleben der geradegeschnittenen Kaschierungsstreifen auf die äußeren Ränder (Bild 7.3, unten). Dabei kann man je nach Geschmack von Ecke zu Ecke kleben oder auch an- und aufsetzen.
  5. Einkleben der notwendigen Bodenkaschierung (Bild 7.4). Man sollte hier nicht zu sparsam sein und die angezeichneten Bereiche um mindestens 5 mm überlappen.


Bild 7.2


Bild 7.4
(Hinweis: Die obere Holzleiste im Bild 7.4, entsprechend die untere im Bild 7.2, ist nicht kaschiert, da dort in einem späteren Schritt das 'Papierscharnier' mit dem Deckel aufgeklebt wird)
Bei Papp-Außenkartons (ab Nr. 3) Ist die rote Innenkaschierung original in einem Stück über Boden und Ränder geklebt (vgl. Bild 1.2). Da man sich eine solche 'Verschwendung' in aller Regel nicht leisten kann (und nicht sollte) wird sinngemäß wie oben beschrieben verfahren. Zuerst werden also die zurechtgeschnittenen Innenränder aufgeklebt (ein Stück auch den Boden überlappend), dann die Bodenteile, zum Schluß die Schwarze Außenkaschierung, die an den oberen Rändern umgeschlagen und ein Stück auf die rote Kaschierung aufgeklebt wird.

Schritt 8: Einsetzen von Metallkrallen


Bild 8.1


Bild 8.2
Die in den Kästen mit Klappdeckel bis etwa 1926 verwendeten Blechkrallen zum Festklemmen des Anleitungsbuchs im Deckel sind nun wieder einzusetzen. Wichtig ist, dass das vor dem Aufkleben der Scwarzen Außenkaschierung erfolgt! Beim Einkleben der Innenkaschierung sollte man vorher schon darauf geachtet haben, dass die 'Kaschierungslochung' nicht direkt auf die 'Papplochung' zu liegen kommt. Die Löcher in der Kaschierung müssen kleinflächig entweder mit der 'Originalausstanzung' oder geeigneten Resten ausgefüllt und überklebt werden.
Die Krallen sind ggf. zu entrosten - gut geeignet rotierende Drahtbürsten, und die umgebogenen Ecken der Lochdurchzüge sind - am besten mit einer Rundzange - wieder aufzurichten. Die Spitzen nicht genau rechtwinklig sondern so aufrichten, dass sie sich beim Eintreiben in die richtige Richtung - nämlich vom Loch weg - umbiegen! Wenn das Blech durch das Entrosten zu metallisch glänzt, kann man es im Küchenherd bei 200 - 250 Grad erhitzen, was eine entsprechende Anlassfarbe - etwa 'Gelbton' bis zu blau - ergibt.
Auf die gleiche Art und Weise werden auch Stifte für die Räderstreifen wieder hergerichtet (Bilder 8.2. und 8.4).
Dann wird die Pappe auf eine Stahlplatte (Richtplatte oder Amboss) aufgelegt, die Teile mit den Spitzen aufgedrückt und dann mit einigen Hammerschlägen eingetrieben. Die Spitzen biegen sich dabei wieder um und fixieren die Krallen. Erst jetzt werden die Krallen wieder U-förmig umgebogen, wobei man sie an der Heftstelle gut festhält.
Die Räderstifte werden auf fertig kaschierte Pappstreifen aufgeheftet. Die Spitzen der Durchzüge sind dann - wie auch auf den Originalstreifen - AUF der Kaschierung sichtbar.

Bild 8.3


Bild 8.4


Schritt 9: Deckel fertigstellen und befestigen

Bei den alten Kartons mit Holzleisten im Kartonunterteil sind die Deckel mit einem Papierscharnier am Unterteil befestigt. Es besteht aus einem inneren und einem äußerem schwarzen Papierstreifen, wobei der äußere mit 'Kroko'-Kaschierung überklebt ist.
Meist sind solche Deckel abgerissen, was bedeutet, dass man geeignetes Papier finden muss, um die längs durchtrennten Streifen zu ersetzen - entweder mit recyceltem oder Fremdmaterial. Vor der schwarzen Außenkaschierung muss also an der Scharnierkante des Deckels der Scharnierstreifen aufgeklebt werden (Bild 9.1, oben, 'Flatterkante'). Dann werden Kanten und Ränder wie unter Schritt 7 beschrieben beklebt. Im Anschluß daran erfolgt sofort das Bekleben der Deckelfläche. Würde man die Ränder erst wieder trocknen lassen, könnte sich der 'Deckelboden' beim Bekleben zu sehr verwölben, und angeklebte Laschen würden womöglich wieder abreißen. Ein Wölben des gesamten Deckels läßt sich vor allem bei den sehr alten Kästen meist nicht vermeiden (Bild 9.1). Deshalb sollte man ihn, wenn er noch nicht ganz trocken ist, mit geeigneten Gegenständen beschweren. Dabei immer Papier zwischenlegen - zum einen, damit die Feuchtigkeit weiter entzogen wird - zum anderen, damit ein evtl. doch noch auftretendes Festkleben durch Anfeuchten wieder gelöst werden kann.

Bild 9.1

Bild 9.2
Die größeren alten Kästen haben ein 'Pappscharnier', das durch zwei Sicken in der Pappe erzeugt wird (siehe Bild 9.2, unterer Rand). Damit sich die Kaschierung beim Trocknen nicht wieder aus den Sicken herauszieht, sollte man sie mit einem separaten schmalen Streifen bekleben und außerdem sehr zügig arbeiten, damit das Papier nicht zu sehr quillt. Nach dem Auflegen wird es einfach durch Darüberfahren mit dem Fingernagel in die Sicken gedrückt. Die Außenkaschierung wird ebenfalls mit einem Extrastreifen aufgebracht, wobei das Scharnier geknickt wird, wie im Bild 9.3 am fertig montierten Deckel zu sehen ist. Beim Montieren des Deckels sollte man tunlichst die alten Schlitze der Metallkrallen wieder benutzen.

Bild 9.3
Prinzipiell würde es auch genügen, den Deckel nur anzukleben. Wer es 'authentisch' machen will, wird die Krallen aber wieder einsetzen. Die Deckellasche, mit dem der Deckel am Grundkasten befestigt wird, wird außen erst dann kaschiert, wenn der Deckel befestigt wurde (innen bleibt sie unkaschiert, Bild 9.2).


Schritt 10: Einbauten fertigstellen und einbauen

Bild 10.1

Bild10.3

Um heraus zubekommen, an welchen Stellen die Einbauten von außen beklebt werden müssen, packt man sie an ihre originalen Plätze im Einsatz bzw. Unterteil und markiert die sichtbaren Außenflächen mit Bleistift, am besten, indem man sie schraffiert.
Die Ränder der Kästchen sind in der Regel so verschlissen, dass die nach innen umgeklappte Kaschierung von den Streifen abgeschnitten werden und das Neubekleben im zwei Schritten erfolgen muss. Im ersten Schritt beklebt man die sichtbaren Außenflächen (Bild 10.1), danach werden schmalere Streifen außen aufgesetzt und nach innen eingeleimt. Bild 10.2 zeigt das Ergebnis.
Im Bild 10.3 sind zwei fertige Einbauten in der Nähe ihrer künftigen Einbauorte in einem ebenfalls fertig kaschierten Karton-Unterteil (Märklin Nr. 4) zu sehen.

Sind alle Einbauten fertiggestellt, werden sie probeweise in den Einsatz bzw. das Unterteil eingesetzt. Je nach Pappqualität kann es dabei etwas eng bis etwas zu weit werden, in der Regel lassen sie die Differenzen aber ausmitteln.



Bild 10.2

Bild 10.4
Wenn Lücken bleiben, muss ggf. noch etwas Kaschierung auf dem Boden und an den Außenseiten der Einbauten nachgeklebt werden.Zum Einkleben sägt man sich einige Holzklötzchen zurecht, die möglichst genau in die Einsätze passen und etwas höher als diese sind. Dann werden die Einbauten auf dem Boden punktuell eingeleimt, die Klötzchen eingelegt und alles beschwert oder, wie im Bild 10.4 gezeigt, mit Schraubzwingen fixiert.
Damit sind die wesentlichen Arbeiten zur Wiederherstellung des Märklin-Kartons abgeschlossen. Noch nichts gesagt wurde zu den Papp-Wellenhaltern der Märklin-Kästen. Als einzige Besonderheit ist hier zu erwähnen, dass sie unmittelbar nach dem Aufkleben der Kaschierung, die in der Länge etwas überstehen sollte, in ihre Endform zu falten sind.


Das Ergebnis der tagelangen Bemühungen stellt sich dann etwa so dar, wie im Bild 10.6 gezeigt. Das Bild daneben zeigt den gleichen Kasten vor der Wiederherstellung.

Bild 10.5

Bild 10.6
Schritt Z1: Rote Farbe herstellen

Der rote Farbton der Märklin-Innenkaschierung (richtiger wäre 'die roten Farbtöne', denn es gab deren mindestens drei) und die notwendige Konsistenz für Ausbesserungen ist mit handelsüblichen Farben kaum zu erreichen. Ich stelle mir die Farbe deshalb selbst her.
Erster Grundsatz: Alle Reste vom roten Papier werden aufgehoben. Auf die unterschiedlichen Farbtöne habe ich dabei nicht geachtet - ich glaube auch nicht, dass es das Ergebnis wesentlich beinflusst. Wenn man einiges zusammen hat, gibt man es einfach in einen Topf und kocht es etwa 10 min. Dann wird das Farbwasser als erstes Ergebnis abgegossen, die Papiermasse ausgedrückt und die Prozedur nach Zugabe von Wasser wiederholt. Anschließend wird die Farbbrühe eingekocht. Damit nicht zuviel Farbe im Topf haften bleibt, sollte man die Brühe nicht zu sehr eindicken. Vielmehr füllt man sie in ein kleines Schraubglas, das man noch einige Tage offen stehen lässt, bis weiteres Wasser verdunstet ist.
Da an den Papierresten immer noch kleine Mengen Kleber haften, benötigt man kein Bindemittel. Das ist allerdings für das Verfahren, wie ich die Farbe verwende, auch nicht wesentlich.

Bild Z1.1

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Veröffentlicht in der Zeitschrift SPIEL NOSTALGIE, Nr. 1/2004, VTH-Verlag Baden-Baden

   
  Autor: Joachim Kleindienst        März 2003